Benchmark-Verfahren und Dosis-Wirkungsmodellierung in der toxikologischen Risikobewertung: neue Projekte bei FoBiG
Das Benchmark-Verfahren nutzt alle Informationen der im Experiment beobachteten Dosis-Wirkungsinformationen und beschreibt auch die Unsicherheit der Daten. Deswegen ist die Benchmark-Dosis dem NOAEL als Startpunkt von Bewertungen vorzuziehen.
Dosis-Wirkungsmodellierung ist auch bei kanzerogenen Stoffen wichtig. Unter maßgeblicher Beteiligung von Fritz Kalberlah als Mitglied des UA-III und Vorsitzender der ad-hoc-AG „Krebsrisikozahlen“ wurde vom Ausschuss für Gefahrstoffe eine Methodik etabliert, um mit Hilfe von Dosis-Wirkungsmodellierungen risikobasierte Werte zur Beurteilung von Expositionen gegenüber krebserzeugenden Stoffen am Arbeitsplatz abzuleiten (der Leitfaden ist auf der website der BAuA verfügbar).
Im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen wird derzeit bei FoBiG in analoger Weise eine Methodik zur Beurteilung von krebserzeugenden Innenraumschadstoffen entwickelt.
In einem weiteren, aktuellen Projekt im Auftrag des Umweltbundesamtes entsteht ein Leitfaden, der beschreibt, wie das Benchmark-Verfahren angewendet werden kann, um Human-Biomonitoring-Werte (HBM-Werte) abzuleiten (HBM-Kommission beim Umweltbundesamt).
Neuer Artikel zu Wirkmechanismen
In einem Forschungsvorhaben für das Umweltbundesamt hat sich FoBiG ausführlich mit grundlegenden biochemischen und zellulären Wirkmechanismen bei toxikologischen Fragestellungen beschäftigt. Entsprechende Daten zu den sogenannten Toxizitätspfaden können dazu führen, dass „neue“ , toxikologisch aussagekräftige Endpunkte gefunden werden. Weitere Ziele sind die Zahl von Untersuchungen an Versuchstieren zu reduzieren und die Bewertung der Wirkungen von Gemischen auf eine neue Grundlage zu stellen. Einige Ergebnisse des Forschungsprojektes sind kürzlich in einem Fachartikel veröffentlicht worden.
Trichloramin in Hallenbädern bewertet
Trichloramin (TCA) entsteht bei der Chlorung von Schwimm- und Badebeckenwasser in Gegenwart organischer Stickstoffquellen wie z.B. Harnstoff. Die leichtflüchtige Substanz gast schnell aus dem Wasser aus und wird überwiegend für den typischen Schwimmbadgeruch verantwortlich gemacht. TCA wirkt reizend auf die Augen und den oberen Atemtrakt und steht im Verdacht, Auslöser für Asthmaerkrankungen bei Schwimmbadangestellten und -nutzern zu sein, weshalb eine Regulierung der Innenraumluftwerte für TCA als dringlich angesehen wird. FoBiG hat im Auftrag des Umweltbundesamtes die aktuellen Daten zu TCA-Konzentrationen in der Luft von Hallenbädern sowie zur Toxikologie der Substanz ausgewertet. Der Bericht ist hier verfügbar.

