Aktuelles

Die hohe Persistenz und Mobilität von zahlreichen Perfluorierten Chemikalien (PFC) haben zur weltweiten Verbreitung dieser Substanzgruppe in der Umwelt geführt. Internationale Erhebungen zeigen, dass auch Nahrungsmittel bereits nennenswert mit PFC belastet sind, insbesondere Fisch. Perfluoroctansäure (PFOA) und Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) sind die prominentesten Vertreter dieser Substanzklasse. Für diese liegen zahlreiche Bewertungen, u.a. von der Europäischen Nahrungsmittelsicherheitsbehörde EFSA vor. FoBiG hat für insgesamt 11 PFC und 4 teilfluorierte Derivate Orientierungswerte in der Altlastenbewertung abgeleitet. Hauptaugenmerk lag dabei (a) auf der Beachtung der möglichen Speziesspezifität von bestimmten Wirkmechanismen und betroffenen Zielorganen, (b) auf der Berücksichtigung der unterschiedlichen Ausscheidungskinetiken der verschiedenen PFC als Hilfsmittel für die Interspeziesextrapolation  bei Stoffen mit begrenzter Datenlage im „Read-Across“, (c) auf der Benennung eines pragmatischen Ansatzes zur Bewertung von Kombinationswirkungen der PFC.

Bewertet wurden unter anderem: Perfluorbutansäure (Perfluorobutyric acid, PFBA), Perfluorpentansäure (Perfluorovaleric acid, PFPA), Perfluorhexansäure (PFHxA), Perfluorheptansäure (PFHpA), Perfluoroctansäure (PFOA), Perfluorbutansulfonsäure (PFBS), Perfluorhexansulfonsäure (PFHxS), Perfluoroctansulfonsäure (PFOS), 1H,1H,2H,2H-Perfluoroctylsulfon-säure (H4PFOS, THPFOS), 2H,2H-Perfluordecansäure (H2PFDA). Das Gutachten ist derzeit (Oktober 2016) unveröffentlicht.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Fritz Kalberlah.

 

 

Die Auswirkungen der von der Europäischen Kommission in ihrer Roadmap vorgeschlagenen Optionen sowie eines Industrievorschlags zur Einstufung von endokrinen Disruptoren wurden am Beispiel von natürlich vorkommenden Substanzen untersucht. Die Ergebnisse wurden auf der Eurotox 2016 in Sevilla präsentiert (Abstract LBA07 und Poster online).

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Ulrike Schuhmacher-Wolz.

 

 

FoBiG und Projektpartner aproxima führen im Auftrag des Bundesinstitutes für Risikobewertung – BfR eine Studie zur Exposition gegenüber Chemikalien aus Verbraucherprodukten durch. Diese Machbarkeitsstudie hat zum Ziel, eine Methodik zu entwickeln, die in repräsentativen Verbraucherbefragungen zur Sammlung von Daten zum Verbraucherverhalten eingesetzt werden kann. Im Fokus stehen Informationen zu Verwendungsmengen, Dauer und Häufigkeit, Verwendungsbedingungen und –ort. Im August 2016 startet die experimentelle Phase der Befragung, in der zu folgenden Produktarten Daten erhoben werden sollen: Handspülmittel, Cockpit Spray (zur Reinigung von Autoinnenräumen), Spachtelmassen, Farben und Lacke, Schuhe aus Plastik oder Gummi und Schreibgeräte. Verschiedene Methoden (Fragebögen, Recall-Methoden, Tagebuchdokumentation, Videodokumentation) werden angewendet, um von den Studienteilnehmern Informationen zum Verbraucherverhalten zu erhalten. Erste Ergebnisse werden für Anfang 2017 erwartet.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Klaus Schneider.

 

 

Nach einer Einigung zwischen dem Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament im Juni 2016 ist der Weg frei für zwei neue EU-Verordnungen für Medizinprodukte und in vitro diagnostische Medizinprodukte. Die Verordnung zu Medizinprodukten, die voraussichtlich im nächsten Jahr in Kraft treten wird, wird eine Grenzkonzentration von 0,1% für CMR-Stoffe (kanzerogene, erbgutverändernde oder reproduktionstoxische Stoffe) der Kategorie 1A oder 1B sowie für endokrin-wirksame Stoffe enthalten. Medizinprodukte mit solchen Substanzen oberhalb der Konzentrationsgrenze müssen entsprechend gekennzeichnet werden und, wenn sie auch zur Behandlung von Kindern und/oder schwangeren oder stillenden Frauen vorgesehen sind, braucht dies eine spezifische Begründung, basierend auf einer wissenschaftlichen Bewertung und einer Analyse von Alternativstoffen.

Mehr Informationen zu den EU-Vorschriften zu Medizinprodukten bekommen Sie hier oder, wenn Sie sich an Klaus Schneider wenden.

FoBiG und Partner Fraunhofer ITEM haben ein Verfahren zur Identifikation neu aufkommender chemischer Risiken in der Nahrungskette entwickelt und getestet. Das Projekt wurde im Auftrag der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) durchgeführt. EFSA hat soeben den externen wissenschaftlichen Abschlussbericht publiziert, der frei im Internet zugänglich ist.

Die prinzipielle Herangehensweise neu aufkommende chemische Risiken in der Nahrungskette zu identifizieren besteht in der Kombination von Expositionspotential und toxischen Eigenschaften in einer Punkte- und Gewichtungsprozedur. Die Prozedur bezieht sich auf unter REACH registrierte Chemikalien (≥ 1 000 t/a) und bewertet eine potentielle Exposition über Nahrungsmittel.

Das Verfahren evaluiert sechs individuelle Blöcke mit den Endpunkten Umweltexposition, Bioabbau, Anreicherung in Nahrungsmitteln, Toxizität bei wiederholter Verabreichung, Reproduktions- und Entwicklungstoxizität und Gentoxizität (Kanzerogenität). Das Modell ACC-HUMANsteady wurde als Vorhersagemodell für die Bioakkumulation von Chemikalien in elf verschiedenen Nahrungs- bzw. Futtermitteln benutzt, um eingehende Informationen zu potentiellen Quellen neu aufkommender chemischer Risiken in der Lebensmittelkette zu erhalten. Während der Verfahrensentwicklung wurden (Q)SAR Vorhersagen auf ihre Anwendbarkeit überprüft und sind als Bewertungselement in die Methodik aufgenommen worden.

Ein Folge-Projekt ist in Planung und wird das neue Verfahren auf alle unter REACH registrierter Chemikalien anwenden, um potentielle, neu aufkommende chemische Risiken in der Nahrungskette zu identifizieren. 

Haben Sie weiterführendes Interesse oder Fragen? Zögern Sie nicht und kontaktieren Sie Jan Oltmanns.